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Konferenz
»Deutscher Herbst 1991«. Das vereinigte Deutschland, der 3. Oktober 1991 und die Herausforderung rechter Gewalt

Referent/in: Thomas Lindenberger
01/10/2021 - 12:15 Hour
»Deutscher Herbst 1991«. Das vereinigte Deutschland, der 3. Oktober 1991 und die Herausforderung rechter Gewalt

Description of the event

Thomas Lindenberger hält bei der Konferenz "»Deutscher Herbst 1991«. Das vereinigte Deutschland, der 3. Oktober 1991 und die Herausforderung rechter Gewalt" den Vortrag  "NS-Erinnerung und Antifaschismus in den 1980er Jahren auf beiden Seiten der Mauer"

»Deutscher Herbst 1991«. Das vereinigte Deutschland, der 3. Oktober 1991 und die Herausforderung rechter Gewalt

Am 3. Oktober 1991 beging das frisch vereinigte Deutschland zum ersten Mal den Tag der Deutschen Einheit. Die Feierlichkeiten fielen in eine Zeit der rasanten und unerwarteten Zunahme rechter Gewalt. Mitte September 1991 hatten die pogromartigen Ausschreitungen im sächsischen Hoyerswerda die öffentliche Aufmerksamkeit auf und zahlreiche weitere Angriffe auf Flüchtlinge und Migrant:innen in der gesamten Bundesrepublik nach sich gezogen. Der 3. Oktober 1991 standen in ihrem Schatten. Politiker:innen aller Parteien nutzten ihn, um zu „Solidarität mit den ausländischen Mitbürgern“ und einem „friedlichen Miteinander“ aufzurufen und forderten, sich den Angriffen entgegenzustellen. Doch statt der Gewalt Einhalt zu gebieten, eskalierte sie am ersten „Tag der Deutschen Einheit“. Vom „Tag des Hasses“ sprachen Zeitungen am nächsten Morgen angesichts viele Übergriffe und Anschläge. Die größte Aufmerksamkeit fand ein Brandanschlag im niederrheinischen Hünxe, bei dem zwei libanesische Mädchen schwer verletzt wurden. »Hünxe« wurde gemeinsam mit »Hoyerswerda« zur politischen Chiffre für die Welle rassistischer Gewalt der folgenden Wochen. Fast 1.300 „fremdenfeindliche Straftaten“, darunter allein 160 Brandanschläge, registrierten die Sicherheitsbehörden für September und Oktober 1991 – mehr als fünf Mal so viele wie im gesamten Jahr 1990.

Die Konferenz soll zum 30. Jahrestag des 3. Oktobers 1991 den Ursachen, Wahrnehmungen und Auswirkungen dieser Gewaltexplosion im Herbst 1991 nachgehen: Welche Entwicklungen machten sie möglich? Wie nahmen Migrant:innen und die zusammenwachsenden Mehrheitsgesellschaften in Ost und West die weitgehend unerwartete Zunahme rechter Gewalt wahr? Welchen Einfluss hatte sie auf ihre Vorstellungen vom vereinigten Deutschland? Und wie prägte die Gewalt politische und gesellschaftliche Debatten der folgenden Jahre? Die dramatische Verdichtung der rassistischen Gewalt im Herbst 1991, so die grundlegende These der Konferenz, schuf wie im »Deutschen Herbst« 1977 einen historischen Moment, der intensive Diskussionen über die Bedeutung der Gewalt für das Selbstverständnis des vereinten Deutschlands und die Frage aufwarf, wie Staat und Gesellschaft ihr begegnen sollten. Im »deutschen Herbst« 1991 begannen damit gesellschaftliche Auseinandersetzungen und Konflikte, die der Spur der Gewalt von »Hoyerswerda« und »Hünxe« über »Rostock «, »Solingen« und »Mölln« bis nach »Halle« und »Hanau« folgten und noch immer zu den drängendsten Herausforderungen der Gegenwart gehören.

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