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HAIT-Kolloquium
Kontroversen über wissenschaftliche Expertise als Ausdruck gesellschaftlicher Konflikte: Hintergrund, Debatte und empirische Befunde

Clemens Blümel (Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW))
11.12.2025, 11:10 - 12:40 Uhr
TIL 110, HAIT

Beschreibung der Veranstaltung

Kontroversen über wissenschaftliche Beiträge werden vermehrt öffentlich ausgetragen.  Zunehmend wird öffentlich darüber gestritten, welches Wissen legitim und glaubwürdig ist. Gleichzeitig kursieren Begriffe wie Cancel Culture und es werden Fragen laut, wie frei die Wissenschaft ist. Die Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft erscheint - trotz eines grundlegend breiten Vertrauens in Wissenschaft - in Teilen konflikthaft.

In diesem Beitrag wird auf Hintergründe dieses Phänomens genauer eingegangen. Zum einen soll die Debatte auf der Grundlage von Daten und empirischen Befunden versachlicht werden, auf der anderen Seite sollen mögliche Konfliktbedingungen und Effekte genauer betrachtet werden. Die These des Beitrags ist, dass vorhandene Kontroversen und Angriffe in der Wissenschaft als Ausdruck gesellschaftlicher Konflikte interpretiert werden können. Angesichts der zunehmenden Bedeutung von Wissenschaft und Forschung für die Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, aber auch für die Legitimation von Entscheidungen und Zukunftschancen sind Beiträge von Forschenden Teil dieser Debatten. Dies geschieht auch vor dem Hintergrund veränderter medialer Bedingungen: Forschende werden zunehmend öffentlich sichtbar oder beteiligen sich an gesellschaftlichen Debatten; zum Teil mit nicht-intendierten Folgen.

Im Beitrag wird die Frage diskutiert, in welcher Weise sich Konflikte in der Wissenschaft auswirken und wie die Beziehung zwischen Wissenschaft und Gesellschaft von Forschenden wahrgenommen wird. Auf der Basis umfangreichen Datenmaterials aus mehreren repräsentativen Befragungen, die am DZHW im Jahr 2024 durchgeführt worden sind, wird analysiert, welche Forschungsfelder von Konflikten und Anfeindungen betroffen sind – und welche weniger. Dabei werden auch unterschiedliche Formen und Grade von Bedrohungen und Anfeindungen unterschieden. Zudem wird auf Unterschiede im Hinblick auf die Beteiligung in kontroversen Debatten und den Umgang mit Konflikten eingegangen. Die quantitativen Ergebnisse geben Hinweise auf einen möglichen Umgang mit Konflikten und zukünftigem Kommunikationsverhalten. 

Clemens Blümel ist Wissenschafts- und Innovationsforscher am Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW). Derzeit leitet er dort kommissarisch die Abteilung Forschungssystem und Wissenschaftsdynamik. Zuvor war er als Koordinator an der Humboldt-Universität zu Berlin sowie Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Innovations- und Systemforschung in Karlsruhe tätig. Clemens Blümel beschäftigt sich mit Strukturen und Veränderungen des Hochschul- und Wissenschaftssystems durch technologische aber auch durch gesellschaftliche Dynamiken. Im Rahmen des Forschungsverbunds KAPAZ hat er sich zuletzt empirisch mit Anfeindungen gegen Forschende auseinandergesetzt. Clemens Blümel ist in unterschiedlichen wissenschaftlichen Gremien und Beiräten aktiv.

 


Der Vortrag ist Teil des HAIT-Kolloquiums „Unter Druck. Angriffe auf die Wissenschaft in Demokratien und Diktaturen“ im Wintersemester 2025/26.

Der Vortrag findet im Raum 110, Tillich-Bau, Helmholtzstraße 6, und via Zoom statt.
Für die Anmeldung zur Teilnahme wenden Sie sich bitte bis zum Montag, dem 13. Oktober, unter Angabe Ihres vollständigen Namens an: hait@tu-dresden.de. Der Registrierungslink wird Ihnen separat einige Tage vor Beginn der Veranstaltung zugesandt.

Diese Maßnahme ist mitfinanziert durch Steuermittel auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushalts.

 

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