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Workshop
Die letzten von gestern? 40 Jahre RechtsRock - Bilanz & Ausblick

Referenten: Maximilian Kreter / Alexia Mathias
23.05.2022 - 13:45 Uhr
Zinzendorfhaus, Neudietendorf

Beschreibung der Veranstaltung

A2 ) "Am Puls der Zeit? RechtsRock-Texte im Wandel"

Nicht die Musik, sondern die Texte definieren RechtsRock. Und sie unterliegen Veränderungsprozessen, angestoßen durch Veränderungen der Szene, Kommentare auf gesellschaftliche Entwicklungen oder Reaktionen auf Verbote und strafrechtliche Verfolgung. Doch wie haben sich die Texte genau verändert? Gibt es thematische „Dauerbrenner“? Und wie werden die eigentlichen Kernbotschaften unter fortschreitendem juristischem Druck vermittelt?

Maximilian Kreter, Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT), Dresden Dr. Alexa Mathias, Sprachwissenschaftlerin und Autorin

Die Letzten von gestern? 40 Jahre RechtsRock – Bilanz und Ausblick

Die Pandemie hat sich in den vergangenen zwei Jahren auch über den RechtsRock und seine Szene wie ein Schleier gelegt. Konzerte, Parteiveranstaltungen und entsprechende Festivals, bei denen die Akteure aus dem Schatten heraus in die öffentlichen Aufmerksamkeit treten, entfielen. Doch wie steht es um die Szene, die über Jahrzehnte der Schrittmacher des bundesdeutschen Rechtsextremismus war? Rückblick: Die Musik entstand Ende der 1970er Jahre in Großbritannien, verbreitete sich Anfang der 1980er in Deutschland – in West wie Ost – und wurde ein Jahrzehnt später die "Begleitmusik zu Mord und Totschlag", als es zu massenhaften Angriffen auf Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter, Punks und viele andere Menschen kam. RechtsRock prägte die Kultur des jugendlichen Rechtsextremismus, war Ideologietransporteur und Werbemittel. Insbesondere die ab 2004 produzierten "Schulhof-CDs" und die damit verbundene Zielgruppe Heranwachsender gaben Anlass zur Sorge. Radikale Worte, radikale Taten: RechtsRock war Ursprungs- und Unterstützungsmilieu für den mörderischen "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU). Mit dem Aufkommen von PEGIDA und weiterer rechtspopulistischer Akteure verschwand die öffentliche Aufmerksamkeit. Doch Fachjournalisten und Wissenschaftlerinnen, Mobile Beratungen und Polizeien wissen, dass sich das Problem und die damit verbundenen Herausforderungen nicht erübrigt haben. Manche Fans und Musiker des RechtsRock finden heute mitunter in anderen rechtsextremen Bewegungen.

2021 erschienen alleine 80 CDs deutscher RechtsRock-Bands. Hinzu kommen zahllose Wiederveröffentlichungen und Produktionen ausländischer Musikgruppen. Den entsprechenden Markt teilen sich hierzulande rund 25 Label und circa 60 Vertriebe. Die Ideologie, die die Texte vermitteln, ist radikal wie eh und je. Zahnlos ist der RechtsRock also nicht geworden, aber sichtlich gealtert. Welche Bedeutung kommt ihm im gegenwärtigen Rechtsextremismus noch zu? Verleiht ihm etwa die Digitalisierung einen neuen Aufschwung? Sind die vorwiegend männlichen Musiker und Protagonisten die letzten von gestern?

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Programm

Bundeszentrale für politische Bildung