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Vortrag
Speak Up! - Internationale und interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung und Praxisworkshop

Referent: Maximilian Kreter
25.10.2021 - 09:00 Uhr
Kloster Heidberg, Eupen (BEL)

Beschreibung der Veranstaltung

Maximilian Kreter hält bei der "Speak Up"-Tagung in Eupen (Belgien) im Panel "Fake News & Hate Speech: Fallstudien geben Einblicke in aktuelle Diskurse" den Vortrag "Verschwörungsglaube und Hassrede von „Coronaweltuntergang“ bis „Lügenpandemie“ zwischen „Grauzone“ und Rechtsrock: Ideologische Produktivität deutschsprachiger recht(sextrem)er Bands in Krisenzeiten" 

Das Institut für Demokratiepädagogik der Autonomen Hochschule Ostbelgien, das derzeit die Koordination des Speak up!-Bündnisses innehat, veranstaltet die Tagung Speak up! Wir freuen uns, dass der Ministerpräsident der Deutschsprachigen Gemeinschaft, Oliver Paasch, die Schirmherrschaft für unsere Tagung übernommen hat. Unsere interdisziplinäre Tagung wendet sich an alle, die sich beruflich oder ehrenamtlich, theoretisch oder praktisch in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und praktischen Arbeitsumfeldern mit Fake News bzw. Hate Speech sowie deren Ursachen, Ausprägungen und Folgen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befassen. In einem geschützten Raum möchten wir die Tagung nutzen, um neue Vernetzungsmöglichkeiten zu schaffen, Einblicke in die aktuelle Forschung und Best-Practices zu erhalten und nicht zuletzt zu überlegen, was wir selbst dazu beitragen können, um in einer offeneren, toleranteren, demokratischeren und dialogorientierteren Gesellschaft zu leben, in der Menschen im Alltag respektvoll miteinander umgehen.

Mehr Informationen zur Tagung und Anmeldung hier.

Abstract:
Die Coronapandemie hat nicht nur das öffentliche Leben, sondern auch politische Bewegungen abseits von sogenannten Querdenkern und die (Live-)Musikbranche fast vollständig zum Erliegen gebracht. Im Gegensatz zu den vorhergehenden großen Krisen der letzten 15 Jahre, insbesondere der „Flüchtlingskrise“ und der „Eurokrise“, die stärker bestimmte Gruppen in der Gesellschaft (be)trafen, so treffen die alltäglichen Einschränkungen in der „Coronakrise“ nahezu alle Teile der Bevölkerung – allerdings unter ungleichen sozialen und ökonomischen Vorzeichen. Unter anderem aus dieser unmittelbaren Betroffenheit resultiert die verbreitete Suche nach Verantwortlichen oder gar Sündenböcken für diese Situation. In Krisenzeiten verbreiten verschwörungsgläubige Erklärungsangebote von radikalen und extremistischen Bewegungen – die fester Bestandteil der entsprechenden Ideologie(n) sind – schneller als zu „normalen Zeiten“. Sie bieten vermeintlich Erklärungsmuster und unmittelbare Reaktions- und Handlungsmöglichkeiten für diese Krisen an. Dabei beinhalten auch stets eine Brücke zu den jeweiligen ideologischen Referenzspektren auf der Links-Rechts-Dimension, in denen sich viele Bürger sicher verorten können. Im folgenden Beitrag sollen diese Krisennarrative der sich demokratisch gebärdenden – selbst häufig als „unpolitischen“ bezeichnenden – Rechten und der extremen Rechten, denen ein stark ausgeprägter Verschwörungsglaube zugrunde liegt, analysiert werden. Dafür wurde das kulturelle und zugleich politisch instrumentalisierbare Medium der Musik mit zwei aktuellen Beispielen aus dem Rechtsrock und der „Grauzone“ gewählt. Anhand der Bands „Zillertaler Virenjäger“ und „Frei.Wild“ soll zunächst die Struktur und die Funktionsweise der Vermittlung des Verschwörungsglaubens aufgezeigt werden, die konkreten Bezug auf die Coronapandemie nehmen. Anschließend sollen die verbindenden Elemente, die die Brücke zum Rechtsextremismus, den damit einhergehenden Verschwörungserzählungen und Hassrede bilden, sichtbar gemacht werden. Abschließend sollen die verbindenden Verschwörungserzählungen – wie insbesondere des „Zionistic Occupied Government“ (ZOG) – und ihre beständigen Wandlungen von der „Eurokrise“, über die „Flüchtlingskrise“ bis zur „Coronakrise“ aufgezeigt werden. Als Ausblick und Anknüpfungspunkt für weitere Forschung und Gegenstrategien soll noch eine kurze Retrospektive aufzeigen, wo und wie diese Erzählungen ihren Anfang unter deutschen Skin- und Boneheads nahmen und welche (Gegen-)Narrative dem entgegengesetzt werden können.

Logos

IDP/Speak Up!-Netzwerk/AHO