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Artikel von Ricardo Bavaj


Das Trauma von "1968" – Liberale Hochschullehrer in Westdeutschland und Frankreich

TD: Jahrgang 6, Heft 2009, 1, Seite 101–114

Abstract / Volltext

Der Beitrag beleuchtet die Reaktion liberaler Hochschullehrer auf die Studentenrevolte von „1968“. Für Professoren wie Ernst Fraenkel und Richard Löwenthal war „1968“ eine traumatische Erfahrung: eine Erfahrung von extremer emotionaler Intensität, die ihre Bewältigungsmöglichkeiten überforderte und ihr Selbstverständnis nachhaltig erschütterte. Durch „1968“ sahen sie den Erfolg ihrer Mission einer konsensliberalen Demokratisierung Westdeutschlands zutiefst gefährdet. Erneut schienen „Weimars Schatten“ bedrohlich über der Bundesrepublik zu hängen. Für sie war „1968“ das neueste Kapitel der vermeintlichen Krankengeschichte eines antiwestlichen, deutschen Sonderwegs. Jenseits des Rheins, wo im Mai 1968 die Barrikadenkämpfe tobten, versuchte Raymond Aron die schockierenden „Ereignisse“ dadurch zu bewältigen, dass er sie als theatralische Wiederaufführung der Februarrevolution von 1848 interpretierte. Doch vermochte auch diese Art von nationalgeschichtlicher Narrativierung die traumatische Wirkung von „1968“ kaum zu lindern.

Es folgt die Zusammenfassung in englischer Sprache following the article short description

This contribution sheds light on the reaction of liberal university teachers to the students’ revolt of “1968”. For university professors such as Ernst Fraenkel and Richard Löwenthal “1968” was a traumatic experience : an experience of extreme emotional intensity which overtaxed their possibilities to cope with it and lastingly shook the way in which they understood themselves. By “1968” they saw their mission of a consensus - liberal democratization of West Germany seriously endangered. Again, the “shadows of Weimar” seemed to threaten the Federal Republic. For them, “1968” was the most recent chapter of the apparent medical history of an anti - Western German special path. Beyond the Rhine, where in 1968 the fights on the barricades were raging, Raymond Aron tried to cope with the shocking “events” by interpreting them as a theatrical re - staging of the February Revolution of 1848. However, also this way of national - historic narrativization was hardly able to alleviate the traumatic effect of “1968”.

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