Home > publikationen > Zeitschrift - Autorenarchiv - Artikel

Artikel von Herfried Münkler


Populismus, Eliten und Demokratie. Eine ideengeschichtlich - politiktheoretische Erkundigung

TD: Jahrgang 8, Heft 2011, 2, Seite 195–219

Abstract / Volltext

Populismus ist ein Sammelbegriff, in dem unterschiedliche Strategien zur Mobilisierung wie Pazifizierung „des Volkes“ zusammengefasst werden. Gemeinsam ist diesen Strategien, dass die Eliten sich nicht mehr zutrauen, die entstandenen Probleme ohne Beteiligung des Volkes lösen zu können, aber wie diese Beteiligung aussieht, unterscheidet sich von Fall zu Fall. Sie kann zur Entstehung der Demokratie führen (antikes Athen), zur Institutionalisierung des Volkstribunats (antikes Rom), zur Herrschaft Einzelner (Tyrannis), aber auch zu einer bloß sporadischen Beteiligung des Volkes an den politischen Entscheidungen. Generell ist der Populismus gekennzeichnet durch einen antiinstitutionellen und antiprozeduralen Affekt sowie ein starkes Elite- und Avantgardebewusstsein. Vor allem die revolutionären Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts haben sich scharf gegen den Populismus abgegrenzt und zu dem überwiegend negativen Begriffsgebrauch beigetragen. Mit welchen Konnotationen der Begriff in Wissenschaft und Publizistik heute verwandt wird, ist im Wesentlichen von der Demokratievorstellung dessen abhängig, der den Begriff verwendet. Dennoch sollte die Politikwissenschaft den Begriff nicht aufgeben, sondern seine Ambivalenzen analytisch nutzen.

Es folgt die Zusammenfassung in englischer Sprache following the article short description

Populism is a collective term summarizing different strategies for the mobilization as well as the pacification “of the people“. These strategies have in common that the elites no longer trust themselves to be able to solve the emerged problems without the participation of the people. However, the form this participation takes is different from case to case. It can lead to the creation of democracy (ancient Athens), to the institutionalization of the people’s tribune (ancient Rome), to the rule of individuals (tyranny) but also to an only sporadic participation of the people in political decisions. Generally, populism is marked by an anti-institutional and anti-procedural affect as well as a strong elitist and avant-guard consciousness. Particularly the revolutionary movements of the 19th and 20th century sharply closed themselves off from populism and contributed to the predominantly negative use of the term. Which connotations science and media studies apply to the term nowadays, essentially depends on the idea of democracy of the person using the term. Nonetheless, political science should not abandon the term, but, instead, use its ambivalences analytically.

Volltext