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Buchcover Sowjetische Militärtribunale

Sowjetische Militärtribunale

Band 2: Die Verurteilung deutscher Zivilisten 1945–1955

herausgegeben von Andreas Hilger, Mike Schmeitzner, Ute Schmidt

(Schriften des Hannah-Arendt-Instituts 17)

Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2003

ISBN 3-412-06801-2, 900 Seiten, Preis: 69,90 €

Mit der Besetzung Ostdeutschlands 1945 exportierte die Sowjetunion Stalins auch ihr Justizsystem nach Deutschland. Ungefähr 35.000 deutsche Zivilisten wurden zwischen 1945 und 1955 in der SBZ/DDR von sowjetischen Tribunalen wegen Staats-, Kriegs- und Alltagsverbrechen zu hohen Strafen verurteilt, über eintausend hingerichtet. Der Zugang zu den sowjetischen Akten dieser Prozesse war bis in die neunziger Jahre hinein versperrt, so dass Tätigkeit und Motive der sowjetischen Richter weitgehend im Dunkeln blieben. In diesem Band werden die Verurteilungen deutscher Zivilisten erstmals auf breiter Quellengrundlage aus historischer und juristischer Sicht untersucht. Die einzelnen Beiträge russischer und deutscher Autoren belegen, dass die UdSSR von Beginn an nicht nur der Bestrafung von nationalsozialistischen Kriegs- und Gewaltverbrechen, sondern auch der repressiven Absicherung ihrer Besatzungspolitik große Bedeutung beimaß. Die hohe Ideologisierung der sowjetischen Justiz wirkte sich darüber hinaus selbst auf die Verfolgung von Alltagskriminalität und sogar Verkehrsdelikten aus. Die Verurteilungen deutscher Zivilisten spiegeln somit direkt die Entwicklungen des Kalten Kriegs wider. Überdies ermöglicht ihre Analyse fundierte Einsichten in Stellung, Funktion und Methoden sowjetischer Repressionsapparate der späten Stalinzeit.