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Buchcover Von Stalingrad zur SBZ

Von Stalingrad zur SBZ

Sachsen 1943 bis 1949

(Schriften des Hannah-Arendt-Instituts 60)

Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 2016

ISBN 978-3-525-36972-2, 572 Seiten, Preis: 85,00 €

Nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad und trotz der Mobilisierung aller Ressourcen während des »totalen Krieges« war die Niederlage Deutschlands absehbar. Der bedingungslosen Kapitulation folgten die Besatzung durch die Alliierten und der moralische Bankrott. Zeitgleich und mit Unterstützung der sowjetischen Besatzungsmacht etablierten sich nach 1945 auch in Sachsen Strukturen einer neuen Herrschaft, die in immer stärkerem Maße dem sowjetischen Leitbild ähnelten. Bis 1948 hatten sich wichtige Weichenstellungen in der Politik, Wirtschaft oder im Elitentransfer vollzogen – zumeist legitimiert durch den Anspruch einer »antifaschistisch-demokratischen« Umwälzung. Dennoch steht das Jahr 1945 nicht für eine »Stunde Null«. Der radikale politische und gesellschaftliche Umbruch schloss neben Brüchen auch Kontinuitäten ein. Weite Teile der Bevölkerung erlebten die Jahre 1943 bis 1949 als eine Zeit der extremen Ausnahmesituation und revolutionären Umwälzung. Untersuchungen zu diesem Zeitraum gibt es bereits für das Gebiet der alten Bundesrepublik, für das der ehemaligen SBZ/DDR stehen sie noch aus. Dieser Sammelband beginnt damit, diese Forschungslücke zu schließen. Die 28 Beiträge beschäftigen sich mit der inneren Verfasstheit der Kriegsendgesellschaft in Sachsen, der Errichtung einer neuen Herrschaft unter der Ägide der sowjetischen Besatzungsmacht und mit dem Wandel der Gesellschaft über die Zäsur von 1945 hinweg.

Beiträge

I. Die nationalsozialistische Kriegsgesellschaft

»Lieber Blut schwitzen ...«. Martin Mutschmann und die sächsische »Gauregierung« 1943 bis 1945 (Mike Schmeitzner)
Die nationalsozialistische Propaganda in der Spätphase des Zweiten Weltkrieges (Stephan Dehn)
Soldaten und Arbeiter für Hitlers Krieg. Einberufungs- und Arbeitseinsatzpolitik in Sachsen 1939 bis 1945 61 (Silke Schumann)
Sächsische Unternehmen in der Aufrüstungs- und Kriegswirtschaft (Michael C. Schneider)
»Ja, liebes Kind, das Leben ist nicht immer zuckersüß.« Zum Alltag der sächsischen Kriegsgesellschaft im Jahr 1943 (Francesca Weil)
Radikalisierung und Eskalation. Zur Tätigkeit der Justiz in Sachsen während des Zweiten Weltkrieges (Gerald Hacke)
KZ-Außenlager in Sachsen (Ulrich Fritz)
Die Todesmärsche in Sachsen. Verbrechen, Ahndung und Gedenken 1945 bis 1949 (Martin Clemens Winter)
Endkampf um Sachsen. Die militärischen Operationen auf dem Territorium des Freistaats im April und Mai 1945 (Manfred Zeidler)

II. Besatzungsmacht und neue Herrschaft

Mitteldeutschland unter amerikanischer Besatzung. Neuaufbau der Verwaltung und Bemühungen um überregionale Zusammenarbeit am Beispiel von Leipzig (Nora Blumberg)
Niemandsland. Das unbesetzte Territorium im Westerzgebirge April bis Juli 1945 (Gareth Pritchard)
Die Rolle der sowjetischen Besatzungsmacht bei der Errichtung des kommunistischen Machtapparats in Sachsen von 1945 bis 1952 (Stefan Donth)
Das Personal der kommunistischen Diktaturdurchsetzung. Parteifunktionäre und Kommunalpolitiker in Chemnitz 1945 bis 1949 (Rainer Behring)
Diktaturdurchsetzung auf dem flachen Lande am Beispiel der Landkreise Liebenwerda und Schweinitz 1945 bis 1949 (Sebastian Rick)
Generationen und Herrschaftsetablierung. Die 1. SED-Kreissekretäre der Nachkriegszeit (Tilman Pohlmann)
Die Entnazifizierung als Instrument kommunistischer Machtpolitik (Clemens Vollnhals)
»Der Totenwald von Zeithain.« Die sowjetische Besatzungsmacht und die Untersuchung des Massensterbens im Stalag 304 (IV H) Zeithain (Jörg Osterloh)
Menschliche Reparationen – der Wissenschaftstransfer nach 1945 an den Universitäten Leipzig und Dresden (Nadin Schmidt)
Fritz Selbmann und die wirtschaftliche Neuordnung im Zeichen der Sozialisierung (Oliver Kiechle)

III. Gesellschaft im Umbruch

Soziale Ressourcen? Wohnungsnot und Schwarzmarkt in Dresden 1942 bis 1948 (Thomas Widera)
Tolerierte Devianz? Jugendpolitik und Jugendkriminalität in Sachsen 1943 bis 1949 (Konstantin Hermann)
Jenseits von Politik und Plan? Langfristigkeit als Moment der Transformation sächsischer Unternehmen nach 1945 (Swen Steinberg)
Belegschaft im Wandel: Die Riesaer Stahlwerke 1943 bis 1949 (Sebastian Fink)
Der sächsische Adel und die Bodenreform: Staatliche Restriktionen und individuelle Strategien (Lutz Vogel)
Integrative Maßnahme oder Vorstufe zur Kollektivierung? Bodenreform und Neubauernprogramm als Instrument der gesellschaftspolitischen Transformation (Sönke Friedreich / Ira Spieker)
Tradition und radikaler Neuanfang für die Sorben in Sachsen (Annett Bresan)
Von der nazifizierten Landeskirche zur lutherischen Volkskirche. Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsens 1943 bis 1950 (Gerhard Lindemann)
Verfolgung, Vernichtung, Neuanfang: jüdische Gemeinden in Sachsen 1938 bis 1953 (Hendrik Niether)