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Neues Projekt am HAIT

Projekttitel: Die sächsische NS-Tageszeitung „Der Freiheitskampf“ und ihre Redakteure 1930-1945


„Aus kleinen Anfängen heraus soll sich nun ‚Der Freiheitskampf‘ zu einem mächtigen nationalsozialistischen Sprachrohr in Sachsen […] entwickeln. Er soll die Grundlage werden für den Aufbau einer der Bedeutung unserer Bewegung entsprechenden Presseorganisation für das gesamte sächsische Land.“ So beschrieb Chefredakteur Heinrich Bennecke das Ziel der Gründung der sächsischen NSDAP-Gautageszeitung „Der Freiheitskampf“ auf der Titelseite der Erstausgabe am 1. August 1930. Tatsächlich entwickelte sich die NS-Zeitung in den 15 Jahren von einem Nischenprodukt zu einer der wichtigsten sächsischen Zeitungen.

Das Promotionsprojekt beschäftigt sich mit der Geschichte des „Freiheitskampfes“ im Kontext der Entwicklung des Nationalsozialismus in Sachsen. In den Anfangsjahren stellte der „Freiheitskampf“ bis 1933 ein „Kampfblatt“ dar, in dem hauptsächlich gegen die Demokratie agitiert und für den Nationalsozialismus geworben wurde. Mit der Kanzlerschaft Hitlers und der Übernahme staatlicher Machtpositionen auch in Sachsen wandelte sich der „Freiheitskampf“ quasi in eine Staatszeitung, die die Maßnahmen der Regierung in breite Gesellschaftsschichten tragen sollte. Dazu professionalisierte sich die Zeitung inhaltlich, personell und technisch. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 bestimmte der Krieg den Inhalt des NS-Blatts. Im Gegensatz zu vielen anderen sächsischen Zeitungen konnte der „Freiheitskampf“ bis zum letzten Kriegstag erscheinen, auch wenn Personal eingezogen und der Umfang allmählich abnahm. Wie sich diese Tendenzen in der Zeitung inhaltlich wiederspiegelten, soll an ausgewählten Themen mit regionaler Relevanz untersucht werden. Die HAIT-Datenbank mit sachsenspezifischen Artikeln stellt dabei ein wichtiges Hilfsmittel dar.

Neben der Zeitung an sich sollen die Redakteure als zweites großes Untersuchungsfeld analysiert werden. Die bisherige Forschung betonte, dass der NS-Presse fähige Journalisten weitgehend gefehlt hätten, ohne dies näher zu belegen. Anhand einer gruppenbiographischen Betrachtung der „Freiheitskampf“-Redakteure soll überprüft werden, was sie, wann zur NS-Presse zog und welche Ausbildungen und Erfahrungen sie mitbrachten. So soll letztlich eine Professionsgeschichte der sächsischen NS-Presse entstehen.


Christoph Hanzig ist Doktorand am Hannah-Arendt-Institut. Sein Promotionsprojekt wird durch ein Sächsisches Landesstipendium finanziert. Laufzeit: November 2020 bis November 2023

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