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Transformationen der Polizei. Hundert Jahre Landeskriminalamt (LKA) Sachsen 1922-2022

Forschungsfeld:Digital Humanities und Querschnittsaufgabe
Zeitraum:01.2021–12.2024
Koordination: Prof. Dr. Mike Schmeitzner

PROJEKTBESCHREIBUNG

Vor 100 Jahren, am 1. Oktober 1922, wurde im noch jungen Freistaat Sachsen das erste „Landeskriminalamt“ in einem deutschen Bundesstaat gegründet. Thema des Projekts ist die Geschichte dieser in Sachsen durch Verstaatlichung und Zentralisierung geschaffenen LKA, sowie deren als kriminalpolizeiliche Zentralstelle fungierenden Folgeinstitutionen in der Zeit von 1945 bis 1952 und ab 1990 sowie die Entwicklung der regionalen staatlichen Kriminalämter in Sachsen. Die Polizeigeschichte Sachsens und seines LKA spiegelt die Wechselfälle des Jahrhunderts in besonders prägnanter Weise: Gegründet 1922, ging es Mitte der 1930er Jahre in die reichsweiten Strukturen der Polizei des NS-Regimes auf, wurde 1945 unter sowjetischen Vorzeichen neugegründet und 1952 in der hochstalinistischen Phase des SED-Staates wieder abgeschafft bzw. zentralisiert. Im Zuge der deutschen Vereinigung erfolgte 1990 die zweite Neugründung.

Ob und in welcher Form eventuell verschüttete Traditionslinien zu entdecken und wieder zu beleben sind, wird das Projekt zu diskutieren haben, galt das sächsische LKA in seiner Gründungsphase während der Weimarer Republik auch international als eine der modernsten und fortschrittlichsten Zentraleinrichtungen auf dem Gebiet des Polizeiwesens. Eine Geschichte der Kriminalpolizei muss auch thematisieren, dass die deutschen Diktaturen gänzlich neue Straftatbestände erfanden, deren Verfolgung durch die Kriminalpolizei der Umsetzung einer ideologischen – im NS-Staat rassistisch definierten – Agenda folgten, deren langfristiges Ziel die Umgestaltung der Gesellschaft war. Umgekehrt ist bei den Übergängen nach Ende der beiden Diktaturen (1945, 1989/90) nach den Aufgaben der Kriminalpolizei bei der justiziellen Bearbeitung der zurückliegenden Regimeverbrechen und den Politiken der „transitional justice“ zu fragen.

Angestrebt wird eine moderne Institutionengeschichte, auf dem Niveau und mit den weit aufgefächerten Fragestellungen und Methoden der aktuellen Geschichtsschreibung zur deutschen Polizeigeschichte des 20. Jahrhundert. Der methodische Zugriff ist dabei, Polizeigeschichte in Sachsen als Transformationsgeschichte zu begreifen und darzustellen. Die Darstellung konzentriert sich daher zeitlich auf die Phasen der politischen und gesellschaftlichen Umbrüche im 20. Jahrhundert, sowie deren jeweiliger Vorgeschichte und Nachwirkungen. Den seit einigen Jahren etablierten konzeptionellen und methodischen Kanon der neueren Forschungen zur Geschichte der Polizei aufgreifend, sollen dabei nicht nur institutionelle Strukturen und das Personal der Polizei, sondern auch die polizeiliche Praxis in den Blick genommen werden.

MITARBEITER

EXTERNE MITARBEITER / EXTERNAL STAFF

Prof. Dr. Tom Thieme / Hochschule der Sächsischen Polizei (FH)

Korinna Lorz / Projektteam Museum der Polizei Sachsen

Dr. Herbert Reinke, Köln

Dr. Carsten Schreiber, Wedemark

Prof. Dr. Daniel Siemens, Newcastle University

KOOPERATIONEN

Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e. V. an der TU Dresden (HAIT) (federführend)

Hochschule der Sächsischen Polizei (FH)

Projektteam Museum der Polizei Sachsen