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Geschichte der späten sächsischen Kriegsgesellschaft (1943–1945)

Forschungsfeld:Diktaturforschung
Schwerpunkt:Sachsen im Nationalsozialismus
Zeitraum:01.2018 - 12.2020 (Projekt abgeschlossen)
Koordination:Dr. Francesca Weil

AKTUELLES

Buchveröffentlichung

05.10.2020

Das Projekt "Geschichte der späten sächsischen Kriegsgesellschaft (1943-1945)" unter Frau Dr. Francesca Weil fand seinen Abschluss mit der Veröffentlichung der dazugehörigen Publikation "Uns geht es scheinbar wie dem Führer … Zur späten sächsischen Kriegsgesellschaft (1943–1945)" veim Verlag Vandenhoeck & Ruprecht.

Zum Inhalt:

Ausgehend von den weitreichenden Anforderungen des »totalen Krieges«, welche die NSDAP-Führung und die sächsische Gauleitung an die Bevölkerung stellten, nimmt Francesca Weil 31 Personen aus Sachsen in den Blick. Sie lebten in der Stadt und auf dem Land, waren unterschiedlichen Alters und befanden sich in verschiedenen persönlichen, beruflichen und politischen Lebenszusammenhängen. Vor dem Hintergrund des Holocausts und gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse werden ihre Reflexionen, Überzeugungen, Gefühle sowie ihr Handeln beschrieben und analysiert. Dabei öffnet sich zum einen ein Panorama, das die Vielfalt des Lebens und Überlebens in der späten sächsischen Kriegsgesellschaft in seiner ganzen Bandbreite widerspiegelt. Zum anderen wird aber vor allem sichtbar, dass viele Menschen bis in die letzten Kriegswochen hinein loyal zum NS-Regime standen, eng verbunden mit einem nicht vorstellbaren Durchhaltewillen und dem unerschütterlichen Glauben, selbst ausschließlich Opfer der katastrophalen Situation zu sein.

PROJEKTBESCHREIBUNG

Sachsen war der am dichtesten besiedelte Gau (1939: ca. 5,2 Mio. Einwohner) des „Dritten Reiches“. In der NSDAP besaß er zahlenmäßig das stärkste Gewicht und Gauleiter Martin Mutschmann gehörte zweifellos zu den mächtigsten regionalen Parteiführern. Da das Gebiet in den ersten Jahren des Zweiten Weltkrieges außerhalb der Reichweite der alliierten Bomberflotten lag, wurden seit 1942/43 Teile der Rüstungsproduktion aus ganz Deutschland hierher verlagert. Dadurch gewann Sachsen zusätzlich an wirtschaftlicher Bedeutung und entwickelte sich schließlich zur „Rüstungskammer“ des Deutschen Reiches. Bis gegen Ende des Jahres 1943 herrschten in der Region noch fast friedensähnliche Verhältnisse. Doch mit dem verheerenden Angriff auf Leipzig im Dezember 1943 kam der Krieg auch in Sachsen an. Die Luftangriffe auf Dresden, Chemnitz und Plauen im Jahr 1945 zählten zu den schwersten Bombardierungen unmittelbar vor Kriegsende. Als im Frühjahr 1945 sowohl sowjetische als auch amerikanische Truppen in Sachsen einrückten, wurde das Land zu einem der letzten Kampfgebiete auf deutschem Boden. Aufgrund der rasanten Veränderungen in den Jahren 1943 bis 1945 bietet sich der Gau Sachsen – geographisch identisch mit dem Reichsland – als Untersuchungsgegenstand für eine Gesellschaftsgeschichte an. Die chronologisch aufgebaute Studie wird die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklungsprozesse in einer gesellschaftlichen Gesamtbetrachtung zusammenführen. Ausgehend von den Forschungsansätzen „Herrschaft als soziale Praxis“ und „Herrschaftsanspruch versus soziale Wirklichkeit“ soll eine akteursbezogene Schilderung entstehen, die vor allem Personen wie auch soziale Gruppierungen und ihre Interaktionen innerhalb der späten Kriegsgesellschaft in den Vordergrund rückt. Mittels dieser Ansätze kann u.a. der Frage nach den jeweiligen Anteilen von Personen oder Personengruppen am Erhalt der Funktionsfähigkeit des NS-Regimes in den letzten Kriegsjahren nachgegangen werden.