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Die sächsiche NS-Presse und ihre Redakteure 1930–1945

Diktaturforschung / Forschungsfeld
Sachsen im Nationalsozialismus / Forschungsschwerpunkt 
ab 11.2020 / Laufzeit

PROJEKTBESCHREIBUNG

„Während der letzten Jahre empfand wohl jeder Nationalsozialist in Sachsen, wie sehr das Fehlen einer eigenen Tageszeitung die Weiterführung unseres Kampfes erschwerte“, so stellte Heinrich Bennecke, als erster Chefredakteur, die Notwendigkeit der neuen sächsischen NSDAP-Tageszeitung „Der Freiheitskampf“ in der ersten Ausgabe vom 1. August 1930 vor. Bis dahin verfügte die sächsische NSDAP über keine regionale Tageszeitung. Für politische Parteien in der Weimarer Republik war eine Zeitung als Verbreitungsinstrument der eigenen politischen und ideologischen Einstellungen unerlässlich. Zunächst mit Hilfe privater finanzieller Mittel gelang es der sächsichen NSDAP die erste Ausgabe der Gauzeitung "Der Freiheitskampf" zu veröffentlichen. Um sich besser im lokalen Raum zu etablieren, erfolgte ab 1932 eine zunehmende Regionalisierung des in Dresden erscheinenden "Freiheitskampfs". Zunächst in Leipzig und Chemnitz, später in weiteren Städten, entstanden lokale NS-Zeitungen mit eigenen Redaktionen, die sich auch durch den Titel vom "Freiheitskampf" unterschieden. 

Die enorme Entwicklung der sächsischen NS-Presse in den knapp 15 Jahren ihres Bestehens ist ein Schwerpunkt des Dissertationsprojektes. Es wird betrachtet, wie das 1930 als Nischenprodukt gestartete Zeitungsprojekt zunächst vom Zulauf zum Nationalsozialismus in Sachsen und später von den pressepolitischen Maßnahmen des NS-Staates profitierte. Schließlich dominierten die Parteiblätter als letzte verbliebene Tageszeitungen im Laufe des Zweiten Weltkriegs die Presselandschaft in Sachsen. Inhaltlich veränderte sich die NS-Presse ebenfalls erheblich. War sie anfangs reine "Kampfpresse", die sich in Fundamentalopposition zur Weimarer Demokratie befand, musste sie später, gemäßigter im Ton, die Maßnahmen des NS-Staates propagandistisch unterstützen, um möglichst weite Bevölkerungskreise zu erreichen.

Im zweiten Teil der Arbeit steht eine gruppenbiographische Analyse der verantwortlichen Redakteure der sächsischen NS-Presse im Zentrum der Untersuchung. Dabei soll u. a. betrachtet werden, wie und wann sie zum Nationalsozialismus gefunden haben und welche Qualifikation sie für die Arbeit als Journalist in der NS-Presse mitgebracht haben. Auch ihre Aktivitäten in der Partei, in NS-Gliederungen und Verbänden sowie als Kriegsberichterstatter soll geprüft werden. Nicht zuletzt soll ebenfalls nachgezeichnet werden, ob und wie die NS-Schriftleiter nach 1945 agierten. Durch diese und weitere Punkte soll eine Art Professionsgeschichte des sächsischen NS-Journalismus entstehen, der den bisherigen Forschungsstand überprüft und erweitert.

PRJEKTLEITUNG

Christoph Hanzig
Wissenschaftliche Hilfskraft/Doktorand