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Corona-Projekt TP 1: Feindbildradikalisierung im Zuge der "Spanischen Grippe" 1918

Forschungsfeld:Corona-Projekt
Zeitraum:07.2020 - 12.2022
Koordination:Prof. Dr. Mike Schmeitzner
Bearbeitung: Dr. Matthäus Wehowski, Hans-Martin Behrisch, Josefine Matzig

PROJEKTBESCHREIBUNG

Die gegenwärtige Diskussion über die Folgen der “Corona-Pandemie” hat eine Vielzahl von Feindbildern generiert. Ähnlich wirkmächtige Verschwörungstheorien sind bereits in den frühen 1920er Jahren im Kontext der "Spanischen Grippe" und der Kriegsniederlage entstanden. Entgegen älteren Befunden ist anzunehmen, dass damals vor allem die jüdische Bevölkerung als vermeintlicher ‚Seuchenträger‘ diffamiert und als Sündenbock für die Folgen der Pandemie verantwortlich gemacht wurde. Die gesellschaftspolitischen Auswirkungen der Gesundheitskrise waren verheerend: Sie führten zu einer Radikalisierung der politischen Kultur der Weimarer Republik und beeinflussten langfristig die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten. Ausgehend von der Forschungsdiskussion zur „Ostjudenfrage“ der frühen 1920er Jahre und der sich daraus entwickelnden Dimension des Antisemitismus in Deutschland sollen im Projekt neue Fragestellungen und Vergleichsebenen im Fokus der Untersuchung stehen, um Entstehungsszenarien, Diskursebenen, Akteure und Folgewirkungen im ostmitteleuropäischen Vergleich zu eruieren. Die Untersuchung zielt darauf ab, das (unterstellte) Beziehungsgeflecht von Gesundheitskrise („Spanische Grippe“), gesundheitspolitischer Diskussion (hier insbesondere die sogenannte „Rassenhygiene“) und Feindbilder im Allgemeinen und antisemitischer Feindbilder im Besonderen (Ausgrenzung und Diffamierung der Ostjuden) genauer zu analysieren. Die (Feindbild-)Diskurse sollen dabei in drei verschiedenen Bereichen systematisch untersucht werden – mittels medialen (Printmedien) und parlamentarischen Diskursen und der Analyse von Ego-Dokumenten. Als räumliche Untersuchungsebenen sind mit Leipzig/Mitteldeutschland, Prag und Breslau-Oppeln drei größere urbane Räume vorgesehen. Entscheidend für die Auswahl des Dreiländer-Ecks ist der jeweils sehr hohe Anteil der jüdischen Bevölkerung, die Existenz völkischer Verleger-„Hotspots“ (Leipzig) und die neuen Grenzziehungen im Mitteleuropa nach 1918 mit den ihnen innewohnenden ethnischen Konfliktpotentialen.



Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln auf Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.