Home > forschung > Projektdetails

Freiwilligkeit und Fürsorge in Transformation: Lokales Engagement im Dreiländereck

Forschungsfeld:Transformation
Zeitraum:02.2020 - 12.2022
Koordination:PD Dr. habil. Friederike Kind-Kovács
Bearbeitung:Dr. Maren Hachmeister

AKTUELLES

Start Projektverbund „Multiple Transformationen 1989“

01.02.2020

Der zum 1. Februar 2020 gestartete Projektverbund untersucht in vier Teilprojekten gesellschaftliche Erfahrungen und kulturellen Wandel in Ostdeutschland und Ostmitteleuropa von 1989 bis in die Gegenwart. Im Rahmen des Verbundes arbeitet das HAIT mit dem Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden (ISGV), dem Sorbischen Institut in Bautzen (SI), sowie dem Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa in Leipzig (GWZO) zusammen. In den kommenden drei Jahren planen die Projektpartner gemeinsame Workshops, Konferenzen und Publikationen.

In diesem Projekt untersucht sie Vergemeinschaftungsräume der freiwilligen Fürsorge als Orte des sozialen Lebens und der Gemeinwohlorientierung unter den Bedingungen verschiedener politischer Systeme. Beispiele aus drei Regionen (Ostsachsen, Niederschlesien, Nordböhmen) sind die in der DDR und Ostdeutschland vertretene Volkssolidarität, Ortsgruppen des Roten Kreuzes sowie konfessionelle Wohlfahrtsbemühungen im klein- bis mittelstädtischen Raum.

Das HAIT heißt Frau Dr. Maren Hachmeister dabei als neue Mitarbeiterin herzlich willkommen. In den kommenden drei Jahren (2020-2022) wird sie im Rahmen des vom Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus (SMWK) geförderten Projektverbundes ein Postdoc-Projekt zum Thema „Freiwilligkeit und Fürsorge in Transformation: Lokales Engagement im Dreiländereck“ bearbeiten.

Am HAIT fügt sich der Projektverbund unter der Leitung von PD Dr. Friederike Kind-Kovacs in das 2018 etablierte Forschungsfeld „Transformationsforschung in international vergleichender Perspektive“ ein.

PROJEKTBESCHREIBUNG

Gegenstand des Forschungsvorhabens sind gesellschaftliche Räume der freiwilligen Vergemeinschaftung im Dreiländereck (Ostsachsen, Niederschlesien, Nordböhmen), die von den Umbrüchen 1989/90 zwar mittelbar betroffen waren, aber in ihren Grundzügen für die Bürger*innen Kontinuitäten boten.

Als Beispiele dienen die in der DDR und Ostdeutschland vertretene Volkssolidarität, Ortsgruppen der international verbreiteten nationalen Rotkreuzgesellschaften sowie konfessionelle Wohlfahrtsbemühungen im klein- bis mittelstädtischen Raum. Am Beispiel der in diesen Organisationen stattfindenden nicht-staatlichen Fürsorge (care) für bedürftige Gruppen, z.B. Alte, Behinderte, bedürftige Kinder, soll dieses Projekt ermitteln, welche Funktionen derartige Vergemeinschaftungsräume erfüllten und welche Möglichkeiten ein freiwilliges Engagement in ihnen langfristig bot.

Das Projekt hinterfragt, welche Rolle der Bereich der freiwilligen ‚Fürsorge‘ im Umgang der Bürger*innen mit der Transformation von der spät- zur postsozialistischen Gesellschaft spielte. Freiwillige Fürsorgepraktiken waren dabei eng mit Vorstellungen von Moral und guter Lebensführung verknüpft. Daher stehen die Akteur*innen und ihre Handlungen, Erfahrungen, Denkwelten und Realitätsdeutungen im Mittelpunkt. Zu untersuchen ist, ob und mit welcher Motivation die zuvor hauptamtlich fungierenden Akteur*innen nach dem Ende des Staatssozialismus weiterhin aktiv blieben, wie die bereits vor 1989/90 Engagierten über die Zäsur hinweg agierten, und welche Teile der Bevölkerung sich als Neu-Mitglieder in diese Strukturen einbrachten. Alle drei Länder verfügen über ausgeprägte Vereinstraditionen, die bis in das 19. Jahrhundert zurückreichen und Formen der Freiwilligkeit und Selbstorganisation ermöglichten. Entsprechend eignen sich solche potenziell konstanten Orte des freiwilligen Engagements, um den Transformationsprozess vergleichend zu untersuchen. Der zäsurübergreifende Zuschnitt des Projekts umfasst die Jahre 1970 bis 2000 und soll es ermöglichen, Freiwilligkeit und Fürsorge als Orte des sozialen Lebens und der Gemeinwohlorientierung unter den Bedingungen verschiedener politischer Systeme mikrohistorisch zu beleuchten.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert mit Steuermitteln
auf Grundlage des von den Abgeordneten des
Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

KOOPERATIONEN

Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden (ISGV)

Sorbisches Institut in Bautzen (SI)

Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa in Leipzig (GWZO)