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Ehrenamtliche Arbeit in lokalen Gemeinden zwischen Staatssozialismus und liberalem Kapitalismus. Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr in Deutschland und Ostmitteleuropa 1980–2000

Forschungsfeld:Transformation
Zeitraum:01.2017 - 12.2020
Koordination:Prof. Dr. Thomas Lindenberger
Bearbeitung:Dr. Ana Kladnik, Steffi Unger

AKTUELLES

Beitrag in Zeitgeschichte online erschienen

29.03.2019

Am 18. März 2019 wurde der Artikel „Weder Ost noch West – Zentral!(Europa!) Freiwillige Feuerwehren als nachhaltiges Muster der lokalen Selbstregierung“ von Ana Kladnik, Thomas Lindenberger, Mojmír Stránský und Steffi Unger auf Zeitgeschichte online veröffentlicht.

Er ist einer der Beiträge, der zum Thema „Weder Ost noch West. Ein Themenschwerpunkt über die schwierige Geschichte der Transformation Ostdeutschlands“, herausgegen von Kerstin Brückweh und Markus Böick, erschien. 

PROJEKTBESCHREIBUNG

Organisiertes freiwilliges Engagement zum Wohle der örtlichen Gemeinschaft war und ist ein fester Bestandteil moderner Gesellschaften seit dem 19. Jahrhundert, und dies in sehr unterschiedlichen politischen Regimen.

Es ist das Ziel dieses Projekt zur vergleichenden Zeitgeschichte, anhand der altehrwürdigen Institution der Freiwilligen Feuerwehr (FFW) die Praxis und Bedeutung von Freiwilligkeit während des Spätsozialismus und der Transformation zu Demokratie und Marktwirtschaft in kleinen Mittelstädten und ihren umliegenden ländlichen Gebieten (Kreisstädte) in Deutschland und Ostmitteleuropa zu erforschen.

Dabei geht es um folgende Fragestellungen:
1) Welche Rolle spielten FFW im Spätsozialismus?
2) Wie reagierten die FFW vor dem Hintergrund ihrer langlebigen Traditionen des freiwilligen Dienstes auf die politischen Brüche und gesellschaftlichen Transformationen um 1989/1991? Wie nahmen sich Mitglieder von FFW selbst wahr und wie wurden sie von anderen lokalen Akteuren wahrgenommen?
3) Trugen FFW als Kerne örtlicher Geselligkeit dazu bei in einer Zeit radikalen Wandels den Zusammenhalt und die Identität von Gemeinschaften, einschließlich sozialer Abgrenzungsmerkmale wie Geschlecht, Ethnizität und Klasse, aufrechtzuerhalten und zu stabilisieren, und wie waren sie selbst von diesem Wandel betroffen?
4) Wie waren FFW an Kooperationen zwischen Kommunen auf nationaler wie internationaler Ebene vor, während und nach den Veränderungen um 1989/1991 beteiligt?

Für die Auswahl der Untersuchungsgebiete waren zwei Gemeinsamkeiten ausschlaggebend:
(1) Die seit Mitte bzw. Ende des 19. Jahrhunderts unterunterbrochene Existenz von FFW, wie es für Deutschland und das Habsburger Reich bzw. seine Nachfolgerstaaten typisch war.
(2) Sie kamen nach 1944/45 unter kommunistische Herrschaft, erfuhren während der späten 1980er- und frühen 1990er-Jahre deren Erosion und Zusammenbruch, gefolgt von – wenngleich sehr unterschiedlichen – Prozessen der Transformation hin zu liberal-kapitalistischen Systemen. Lokalstudien in (Ost-)Deutschland, der Tschechischen Republik, Slowenien und der serbischen Provinz Vojvodina und deren jeweilige nationale Kontextualisierung liegen der der Datenerhebung, gestützt auf Archivalquellen und Oral-History-Interviews, zu Grunde.

Organized voluntary engagement for the common good of the local community was and is a constant feature in modern societies since the 19th century, and across very diverse political regimes.

Using the venerable institution of Voluntary Fire Departments (VFD), this comparative project in contemporary history aims at exploring the practice, and relevance of volunteering during late state socialism and the transformation to democracy and market economies in small medium sized cities and their surrounding rural areas (district towns) in Germany and East Central Europe.

The following questions are addressed:
1) What was the role of VFD under late socialism?
2) How did VFD with all their traditions and continuities of voluntary service interact with the political ruptures and societal transformations around 1989/1991)? How did voluntary firefighters perceive themselves and how were they perceived by other local actors in these processes?
3) Did VFD as nuclei of local sociability contribute to maintain and stabilise the cohesion and identity of communities, including social markers of difference such as gender, ethnicity, and class, in a time of radical change, and how were they in turn affected by these changes themselves?
4) How did VFD organisations get involved in inter-communal, including international, cooperation on the grass root level before, during and after the changes of 1989–91?

The historical comparison and the areas of investigation are defined by two commonalities:
(1) VFD were established and existed almost uninterruptedly as part of municipal self-governance since the 2nd half of the 19th century, as it was typical for Germany and the Habsburg Empire.
(2) They came under communist rule after 1944/45 and experienced its erosion and final breakdown during the late 1980s and early 1990s, followed by – however highly diverse – processes of transformation towards liberal capitalism. Local case studies in (East) Germany, Czech Republic, Slovenia and Vojvodina (Serbia) will provide empirical data and be set within the larger institutional and political contexts on the national level. Research is based on archival records and include the extensive use of oral history interviews.

MITARBEITER

Photo  Steffi Unger
Steffi Unger
Wissenschaftliche Mitarbeiterin/
Doktorandin
Felix Stauch
Wissenschaftliche Hilfskraft
Victoria Helbig
Studentische Hilfskraft

EXTERNE MITARBEITER

  • Projektleiter: Univ. Prof. Dr. Philipp Ther (Institut für Osteuropäische Geschichte, Universität Wien)
  • Mitarbeiter: Mojmír Stránský, M. A. (Institut für Osteuropäische Geschichte,
    Universität Wien)