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Aufbruch zu Demokratie und Nationalstaatlichkeit im Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechoslowakei nach dem „Großen Krieg“ (1918–1923)

Forschungsfeld:Transformation
Koordination:PD Dr. habil. Steffen Kailitz
Bearbeitung: Sebastian Paul, Matthäus Wehowski

AKTUELLES

Webseite des Projektverbundes Chiffre 1918 geht online

27.02.2019

Am 21. Februar 2019 ging die Webseite des Projektverbundes „Chiffre 1918“ online. Die unter der Koordination des HAIT Projektes „Aufbruch zu Demokratie und Nationalstaatlichkeit im Dreiländereck Deutschland – Polen – Tschechoslowakei nach dem „Großen Krieg“ (1918-1923)“ entstandene Webpräsenz stellt die vier beteiligten Institute und ihre Projekte zu den gemeinsamen Themenfeldern Umbrüche und Kontinuitäten des Jahres 1918 vor. Erforscht werden aus den geschichts-, kultur-, und politikwissenschaftlicher Perspektive die Folgen des Kriegsendes auf Sachsen und seine Nachbarn im östlichen Europa. Die Webseite informiert nicht nur über die Arbeit der Projekte, sondern zusätzlich über aktuelle Veranstaltungen der beteiligten Institute und erklärt zentrale Stichworte rund um das Umbruchsjahr 1918. Beteiligt sind das Sorbische Institut (SB) aus Bautzen, das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) aus Dresden, das Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT) aus Dresden und das Leibniz-Institut für jüdische Geschichte und Kultur – Simon Dubnow (DI) aus Leipzig. Gefördert werden die Projekte durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst (SMWK).

PROJEKTBESCHREIBUNG

Das Forschungsvorhaben hat zum Ziel, im Zuge einer Mehrebenenanalyse – lokal, national, transnational – die Verflechtungen und Wechselwirkungen von Demokratisierungs- und Nationalisierungsprozessen im transnationalen Grenzraum des Dreiländerecks Deutschland – Polen – Tschechoslowakei in den Jahren 1918 bis 1923 zu untersuchen. Angelehnt an Rogers Brubaker fassen wir die drei Länder als „nationalisierende Staaten“ auf, deren politische Eliten eine Hegemonie des Nationalen in sprachlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bereichen erreichen wollten. Durch diese „top down“ von nationalstaatlicher Ebene verordnete Nationalisierungspolitik, die mit einer Demokratisierungspolitik verflochten war, sollten regionale und soziale Identitätsangebote verdrängt und überschrieben werden. Konkret nimmt das Projekt die lokale Ebene in Oberschlesien (Weimarer Republik/Polen), Teschen (Polen/Tschechoslowakei) und dem Orawa-Gebiet (Polen/Tschechoslowakei) in den Blick. Diese Regionen waren nach 1918 Gegenstand von Grenzkonflikten und besaßen eine ethnisch, konfessionell und sozial heterogene Bevölkerung. Different waren auch die nach dem Ersten Weltkrieg vorhandenen demokratischen Traditionen, die sich selbst zwischen der österreichischen und ungarischen Hälfte der Habsburgermonarchie stark unterschieden. Zur Analyse von Nationalisierungs- und Demokratisierungsprozessen auf lokaler Ebene werten wir die Akten der Lokalverwaltungen dahingehend aus, inwieweit in der Kommunikation mit den zentralstaatlichen Behörden (z.B. Situationsberichte) sowie der lokalen Bevölkerung (z.B. Bekanntmachungen) auf Aspekte der Demokratisierung und Nationalisierung eingegangen wird. Der Überlieferung aus staatlichen Institutionen gegenüber kontrastieren wir das Parteien-, Presse- und Vereinswesen der Region, das national und sozial ausdifferenziert war. Als institutionelle Träger der Demokratisierungs- und Nationalisierungsprozesse untersuchen wir für die Umbruchphase 1918/19 im Dreiländereck die Rolle von Arbeiter-, Bauern-, Soldaten- und Nationalräten und -ausschüssen. Diese übernahmen zeitweise die Funktion der lokalen Machthaber und bereiteten den Aufbau nationalstaatlicher und demokratischer Strukturen vor. Ab dem Jahr 1919 rücken dann der Aufbau demokratischer Institutionen (z.B. die Gespanschaften [župy] in der Slowakei) sowie die lokale Organisation von Wahlen und Plebisziten als Schnittstellen zwischen Demokratisierung und Nationalisierung in den Vordergrund.

Das Projekt wird finanziert durch Mittel des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst.

Diese Maßnahme wird mitfinanziert durch Steuermittel
auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag
beschlossenen Haushaltes.